Buschreiter.
de Ð aktuell: WM-Gesamtergebnis
VON WOLF-DIETRICH
NAHR

Die deutschen Vielseitigkeitsreiter sind am Ziel ihrer TrŠume: Bei den Weltreiterspielen in Aachen wurde das Team Mannschaftsweltmeister. Bettina Hoy/Ringwood Cockatoo, Frank Ostholt/Air Jordan, Hinrich Romeike/Marius und Ingrid Klimke/Sleep Late lie§en die Mannschaften von Gro§britannien und Australien hinter sich (Fotos: Anthony Trollope/EWNBNews.com und Wolf-Dietrich Nahr). Weltmeisterin wurde das grš§te Talent der globale Eventing-Szene, die englische Amazone Zara Phillips mit Toytown.
In die Sieges-Pressekonferenz am Sonntag, keine 45 Minuten nach den
Weltmeister-Ritten im gro§en Aachener Stadion vor offiziell 40 000 Zuschauern,
mischte sich fŸr einen Moment fast lŠhmende Betroffenheit in den Siegestaumel
und den Medien-Hype rund um die Champions. Gefragt nach dem Druck, der bei den
Weltreiterspielen auf ihr gelastet habe, gab Zara Phillips mit gesenktem Kopf
eine sehr persšnliche Antwort: Tage der Trauer und des Schmerzes seien es fŸr
sie gewesen, weil eine gute Freundin am Wochenende davor ums Leben gekommen
war. ãIch habe mir vorgenommen, die Medaille fŸr sie zu gewinnenÒ, sagte Zara
Phillips, die in den Tagen davor bei aller offenen Herzlichkeit sehr ernst
gewirkt hatte. Die junge Weltmeisterin trauert um Sherelle Duke (28), irische
Top-Reiterin. Sie war bei einem Sturz im Cross in Brokenhurst in SŸdengland ums
Leben gekommen. Die britischen Reiter trugen bei der WM kleine rote Schleifen
am Jacket, um an die verstorbene Reiterin zu erinnern. Die WM-Vielseitigkeit in
Aachen lie§ gottseidank keine ernsthaft verletzten Reiter oder Pferde zurŸck,
aber die Nachricht Ÿber den Tod von Sherelle Duke rŸckte wieder ins Blickfeld,
dass die Vielseitigkeit eine Risikosportart ist, die Mensch und Tier
sorgfŠltige und serišse Vorbereitung abverlangt. Das haben die deutschen
Spitzen-Eventer mit gro§er professioneller Akribie geleistet. Nach Jahren
harter Arbeit, schmerzlichen RŸckschlŠgen und bemerkenswerten Erfolgen ist die
deutsche Vielseitigkeitsreiterei endgŸltig in der Weltspitze angekommen. Athen,
Skandal-Olympia, galt vielen im Cross als zu leicht, ein
Zweieinhalb-Sterne-Kurs fŸr Dressur- und Spring-Sieger. Doch RŸdiger SchwarzÕ
Aachenener GelŠnde war vier Sterne pur, ein Weltmeisterschafts-Kurs ohne
Abstriche, eine Leistung, ãmit der er in die GeschichtsbŸcher des
Vielseitigkeitssports eingehen wirdÒ, wie Bettina Hoy am Samstag nach der
GelŠndeprŸfung im buschreiter-Interview sagte. Deshalb ist die
Mannschafts-Weltmeisterschaft 2006 eine beispiellose Leistung fŸr die deutsche
Mannschaft. ãWir wussten, dass die Deutschen das Team sein wŸrden, das zu
schlagen sein wŸrdeÒ, sagte William Fox-Pitt ehrlich anerkennend. Mit 26
Punkten war der Abstand zur Mannschaft aus Gro§britannien am Ende komfortabel.
FŸr Bronzemedaillen-Gewinner Australien war mit 197.3 Punkten Gold ohnehin
au§er Reichweite. Andrew Hoy, mit Master Monarch im Cross mit einer
Verweigerung belastet, war denn auch am Sonntag ãsehr glŸcklich, Teammitglied
zu sein, weil letztlich meine Einzelleistung diesmal nicht so gut warÒ. Die
beiden Mannschaftsreiter Bettina Hoy und Frank Ostholt vergaben mšgliche
Einzelmedaillen durch AbwŸrfe im Parcours. ãEs ist schon schade, wenn man eine
Medaille zum Greifen nahe hat, es wŠre toll gewesen mit zwei Medaillen nach
Hause zu fahren, aber hier als Mannschafts-Weltmeister zu sitzen, ist das
Grš§teÒ, sagte Frank Ostholt nach dem Gewinn der Team-Goldmedaille. Er war
durch einen Springfehler auf den undankbaren 4. Platz zurŸckgefallen, ganze 0.2
Punkte vom Medaillenrang entfernt. Ringwood Cockatoo kam mit zwei Springfehlern
und einem Zeitfehler aus dem Parcours, wŠhrend bei einer Nullrunde fŸr Bettina
Hoy sogar die Goldmedaille mšglich gewesen wŠre. Weltmeisterin wurde Zara Phillips
mit Toytown Ð trotz eines Abwurfes im Parcours. Sie hatte gerade beim Fantumult
des deutschen Anhangs ins Stadion einreiten mŸssen: Eben war Mannschafts-Gold
fŸr die heimischen Eventer verkŸndet worden. Die britische Reiterin ritt noch
eine Volte, bevor sie in den Parcours startete: ãIch hatte bei dem LŠrmpegel
die Glocke nicht gehšrt.Ò Zara Phillips: ãIch hatte sehr viel Vertrauen in mein
Pferd, er liebt die Menge und es war erstaunlich, wie er in der Arena
gesprungen ist, das Pferd hat sich gro§artig gefŸhlt, ich musste keinen so
gro§en Druck machen.Ò Bettina Hoy lachte bei der Pressekonferenz schon wieder,
aber gab auch zu, dass sie ãein bisschen enttŠuschtÒ Ÿber die beiden Fehler
war. ãEr sprang das ganze Jahr Ÿber sehr gut.Ò Im gleichen Atemzug freute sich
die Amazone darŸber, dass au§er ihr Zara Phillips, ihr Ehemann Andrew Hoy
(Mannschaftsbronzemedaille) und der japanische Eventer Yoshiaki Oiwa/Fifth
Avenue Fame (18. Platz) vier Reiter aus Gatcombe Park, dem Anwesen von
Pronzessin Anne in SŸdengland, bei der Weltmeisterschaft in Aachen so gut
abgeschnitten hatten. Nach den Silber- und Bronzemedaillengewinnern Clayton
Fredericks/Ben Along Time (Australien) und Amy Tyron/Poggio (USA) lagen
Ostholt, Romeike und Bettina Hoy auf den PlŠtzen 4, 5 und 6. Hinrich Romeike
und Marius waren im Parcours wie im GelŠnde am Tag zuvor null und in der Zeit Ð
und beendeten die Weltreiterspiele wie nur ganz wenige Paare mit ihrem
Dressurergebnis. ãIch konnte es hinterher gar nicht glauben, dass es eine
Nullrunde war, weil ich jedes Hindernis gehšrt habeÒ, sagte Romeike. Ebenfalls
fehlerfrei bewegten sich Ingrid Klimke und Sleep Late Ÿber den Parcours und
beendeten die Weltreiterspiele mit Platz 34. ãEr war sehr vorsichtig und tat
alles, um eine schšne Nullrunde zu schaffenÒ, sagte Ingrid Klimke. Der 21. Rang
war fŸr Andreas Dibowski und FRH Serve Well das Endresultat. Dirk Schrade
musste beim Springen zuschauen, nachdem er Sindy am Morgen wŠhrend der
VerfassungsprŸfung zurŸckgezogen hatte. Die Stute hatte Ð wie berichtet Ð am
ersten Wasser ein Eisen verloren und war zunŠchst lahm gegangen. Nach dem
Ausscheiden von Harald Riedl und Davigna im Cross waren noch zwei
šsterreichische Eventer im Wettbewerb verblieben. Harald Ambros und Miss
Ferrari (31.) blieben ohne Spring- und Zeitfehler, wŠhrend Harald
Siegl/Nebelwerfer (36.) zwei Stangen fallen lie§en und sich zwei Zeitfehler
einhandelten. Die Alpenrepublikaner waren mit nur drei Paaren in die
Weltreiterspiele gestartet, nachdem der vierte mšgliche Mannschaftsreiter
Christoph Heiden die erforderliche Vier-Sterne-Qualifikation nicht erreicht
hatte.
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