Buschreiter.
de Ð aktuell: WM-Dressur/Donnerstag
VON JULIA RAU (FOTOS) UND
WOLF-DIETRICH NAHR (TEXT)
Am ersten Dressurtag der Weltreiterspiele in Aachen haben vier der sechs deutschen Eventer fŸr einen bemerkenswert guten WM-Auftakt gesorgt. Einzelreiter Andreas Dibowski setzte sich mit der 12-jŠhrigen Hannoveraner Stute Serve Well mit einem makellosen, bestechenden Ritt und einer 40.9 an die Spitze des Teilfeldes mit 40 Paaren.
Nach Platz 1 fŸr ãDiboÒ
belegt Frank Ostholt mit Air Jordan (46.9) Platz 4, Dirk Schrade rangiert mit
Sindy (50.2) auf Rang 9 und Hinrich Romeike ritt Marius (52.4) auf den 14 Platz. Am Freitag machen
weitere 39 Paare das Feld von 79 Startern komplett.
WŠhrend die drei anderen
heimischen Starter unter der knisternden Spannung und dem Applaus der
begeisterten Zuschauer im kleinen Stadion 2 der Soers zu ãleidenÒ hatten,
blieben Dibo und vor allem Serve Well trotz des lautstarken Empfangs der Fans Šu§erlich
gelassen und prŠsentierten eine Weltklasse-Dressur, die zu Recht die
Spitzennoten der Richter Angela Tucker (Gro§britannien), Brian Ross (USA) und
Martin Plewa erhielt. Das Applaus vor der Viereckvorstellung war nach Andreas Dibowskis Meinung auch
fŸr Serve Well ein ãkritischer MomentÒ. Deshalb war der WM-Einzelreiter mit dem
ersten Teil der Dressur auch nicht ãganz so glŸcklichÒ. Die Stute sei so
angespannt gewesen, dass er im Mitteltrab ãbremsenÒ musste. ãErst im starken
Trab kam ich dann zum ReitenÒ, sagte Dibowski. Trotz der tollen Vorstellung habe er 2005 bei der Dressur der
EM in Blenheim ãfast noch ein
besseres GefŸhlÒ gehabt. Hinrich Romeike sieht die knisternde Spannung in der
Arena von zwei Seiten: Die zwei Patzer von Marius auf dem Viereck rechnete er
auch den Zuschauern zu, die ãso krakeeltÒ haben, als die beiden den PrŸfungsplatz
betraten; andererseits findet es Romeike ãgut, wenn die Zuschauer Spa§ haben,
denn das ist gut fŸr unseren SportÒ. Auch Dirk Schrade hatte so seine MŸhe mit
der geladenen Stadion-AtmosphŠre, sprach sogar von etwas ãerschwerten
BedingungenÒ. Schrade im buschreiter-Interview am Donnerstag: ãHier geht das
Publikum so mit, die Deutschen sind noch so richtig im Fu§ball-WM-Fieber, Sindy
ist da anfŠllig, aber ich denke, es ist super gelungen, das Pferd weiter auf
mich zu konzentrieren.Ò Deshalb war Schrade sehr zufrieden mit den 50.2.
Allerdings rŠumte er ein, was von au§en deutlich zu sehen war: ãIch bin etwas
vorsichtig geritten, ein bisschen frecher und es wŠren noch ein paar Punkte
mehr drin gewesen.Ò Doch der Berufsreiter aus Warendorf wei§ um die Eigenheiten
der Stan-the-Man-Stute: Punkten kann man mit ihr, wenn sie sich korrekt an den
Hilfen stehend und durchlŠssig den Richtern prŠsentiert. Riskantes
VorwŠrtsreiten auf dem Viereck kann das Pferd schon einmal schnell nervšs
werden lassen. Hinrich Romeikes Marius mag keinen Regen, wie man seit Blenheim
wei§, aber der Holsteiner Schimmel lie§ sich auf dem Rasenviereck von dem
Wolkenbruch vom Aachener Himmel nicht sichtbar beeindrucken. Dennoch
protokollierten Richter und Reiter hinterher ãzwei PatzerÒ. Romeike: ãIch wei§
nicht genau, was gewesen ist, gerutscht ist er jedenfalls nicht, es war so, als
ob er sich auf dem Eisen stand.Ò Gemeint ist ein hahnentrittartiger Satz des
12-jŠhrigen Wallachs am Ende der Galopptraversalen. ãDas hat er noch nie
gemacht, ich reite ihn ja sonst auchÒ, sagte Hinrich Romeike trocken.
EnttŠuschung? Nein. ãDas Schšne an dem Sport ist, dass man nach der Dressur
weitermacht.Ò Trotz des 4. Platzes von Air Jordan wŠre fŸr das Pferd und Frank
Ostholt noch mehr mšglich gewesen. Der sensible Hannoveraner LuhmŸhlen-Sieger
hat sich ebenfalls durch das Geschrei der Ostholt-Fans (ãEs sind alle
gekommenÒ) ãablenken und beeindrucken lassenÒ. Das Pferd quittierte die
Kulisse, ging nach Meinung des Reiters etwas eng, nervšs und lie§ sich nicht
ohne weiteres vor dem Schenkel behalten. Die dicke Quittung folgte beim ersten
Galoppwechsel: ãDer ging total in die HoseÒ, Šrgerte sich Frank Ostholt
hinterher etwas. Die beiden Amazonen im deutschen Lager standen am Donnerstag
noch nicht im Rampenlicht: Bettina Hoy und Ringwood Cockatoo treten am Freitag
um 11.05 Uhr auf, wŠhrend Ingrid Klimke und Sleep Late als letztes deutsches
Paar um 15.35 Uhr aufs Viereck dŸrfen. Ingrid Klimke bilanzierte am Donnerstag
die Leistungen ihrer Teamkollegen: ãAlle haben ihr Bestes gegeben, das waren
total harmonische Bilder, jeder hat versucht, die StŠrken seines Pferdes zu
prŠsentieren.Ò
© Verlag Nahr, D-93059 Regensburg/Germany, Wöhrdstr. 49
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