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Reiter und Pferde

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Erste Anwärter auf eine WM-Teilnahme: Andreas Dibowski und Butts Leon sowie Ingrid Klimke und Abraxxas (Fotos Julia Rau)

CICO*** Aachen/Nachlese:

Drei Paare für die WM schon gesetzt?

VON WOLF-DIETRICH NAHR

Der Nationenpreis und die Drei-Sterne-Prüfung in Aachen haben eine wichtige Orientierung für die Benennung der deutschen Kandidaten für die Weltreiterspiele gebracht. Drei Reiter und Pferde dürften das Ticket ziemlich sicher in der Tasche haben – sofern sie gesund bleiben.

"Wir nominieren nach Schenefeld", sagte Bundestrainer Hans Melzer nach der Aachener Prüfung im buschreiter-Interview. Und doch hat die Soers ganz offensichtlich gezeigt, welche Paare in Top-Form sind. Der Weltranglisten-Erste Andreas Dibowski hat mit Euroridings Butts Leon nach Badminton und Luhmühlen demonstriert, dass er sich mit seinem Pferd in einem unwiderstehlichen Leistunghoch befindet. Auch Ingrid Klimke ließ mit FRH Butts Abraxxas nicht im mindesten erahnen, dass sie ja wegen der Schwangerschaft immerhin länger pausiert hat. Michael Jung hatte in Aachen das begehrte Weltpferd La Biosthetique Sam gar nicht dabei; er beeindruckte die Selektoren mit einem souveränen Auftritt beim Weltcup in Strzegom.

"Die drängen sich auf"

Dass diese drei Reiter – Dibo, Klimke, Jung – nun quasi gesetzt sind, das wollte Bundestrainer Melzer so nicht bestätigen. Nochmal: "Wir nominieren nach Schenefeld." Aber er schrieb den drei Top-Kombinationen ausdrücklich zu, dass sie "erste Wahl" seien, die "alles gezeigt" hätten. Hans Melzer wörtlich: "Die drängen sich auf."

Umgekehrt müssen die Reiter nicht alle Hoffnung fahren lassen, bei denen es in Aachen nicht so gelaufen ist (buschreiter.de berichtete). Dies gilt für Kai-Steffen Meier, dessen Karascada vor dem Cross ein dickes Bein hatte; dies gilt für Dirk Schrades King Artus, der schon vor dem Parcours etwas kränkelte. Und zwei weitere Eventer wurden im Aachener Gelände quasi durch "technische" Widrigkeiten ausgeknockt: Simone Deitermann wurde mit Free Easy angehalten, nachdem Clayton Fredericks mit Be My Guest die Normandie-Bank zerstört hatte; sie konnte ihren sensationellen Ritt von Badminton nicht wiederholen. Free Easy kam nicht mehr richtig in Gang. Am früh im Cross platztieren Wasser kam das Aus.

"Wir sind keine Erbsenzähler"

Kai Rüder wurde mit Leprince des Bois durch die ungewollt ausgelöste Airbag-Weste aus der Bahn geworfen – auch kein Vorfall, der die WM-Tauglichkeit des Paares in Zweifel zieht.

"Wir sind ja keine Erbsenzähler, all die sollen mindestens eine Chance mehr bekommen, zu starten", sagte Hans Melzer im buschreiter-Interview. Als "qualitätvolle Prüfung" vor Schenefeld kommt praktisch nur Malmö Mitte August zwei Wochen vor Schenefeld in Frage. Melzer: "Das müssen wir alles erst mit den Reitern besprechen, wir wollen jedenfalls nicht sagen, es ist gelaufen."

Stunden des Wartens

Die demolierte Normandie-Bank, die herausgenommenen Elemente und verrechnete Zeit: Am Samstag gab es über Stunden ein Verwirrspiel, an dessen Ende nicht einmal alle betroffenen Reiter genau verstanden haben dürften, wie genau die kniffelige Reglementauslegung ausgesehen hat. Die abschließende Pressekonferenz wurde von 14 Uhr auf 15 Uhr und dann auf 16.30 Uhr verschoben. Reiter, Equipechefs und Offizielle berieten auf offener Bühne und hinter verschlossenen Türen. Gerüchte schwirrten umher. Im Pressezentrum verkündete eine Journalistin sogar, die Deutchen hätten den Nationenpreis verloren. Was nicht stimmte. Letztlich konnte vor den Medien auch der Technische Delegierte Guiseppe della Chiesa den Kasus nicht genau erklären.

Ein aufgebrachtes Team

Jedenfalls bekamen kulanterweise alle Paare, die vor der Herausnahme die Elemente 10 a und b gesprungen waren, einen Zeitbonus von fünf Sekunden angerechnet. Leidtragender war Michael Jung, der als erster Starter mit Leopin exakt die Optimum Time von sechs Minuten und 40 Sekunden getroffen hatte. Er und der Rest seines Teams wollten sich nicht damit abfinden, dass durch den Abzug die Bestzeit-Leistung bestraft werden sollte. Beobachter erlebten das Team Jung regelrecht "aufgebracht".

An Protest nicht zu denken

Der DOKR-Ausschussvorsitzende Holger Heigel erklärte hinterher, dass die deutsche Equipe keinen förmlichen Protest einlegen wollte und die Entscheidung der Jury – ihr gehörte auch Christoph Hess an – akzeptiert hat. Denn ein Widerspruch im Fall Jung hätte sich ja zum Nachteil anderer deutscher Teammitglieder – und beim knappen Abstand zu den Schweden im Nationenpreis – und der Mannschaft auswirken können.

Tatsache ist, dass Dirk Schrade und Gadget de la Cere sowie Michael Jung und Leopin mit 48.2 zwar punktgleich sind, aber Jung Rang 3 (14.000 Euro) und Schrade Rang 4 (9000 Euro) einnehmen. Dennoch äußerte sich Michael Jung in der Pressekonferenz kritisch: "Der Abzug ist nicht ganz korrekt."

"Total übertrieben"

Aktivensprecher Andreas Dibowski fand die Juryentscheidung "total übertrieben". Er hätte dafür plädiert, die Punktgleichen gemeinsam auf Rang 3 zu platzieren und die insgesamt 23.000 Euro Preisgeld unter den beiden je zur Hälfte aufzuteilen. Für den Veranstalter wäre dies kostenneutral gewesen.

Hinterher nahm der CICO***-Sieger Andrew Nicholson mit seinem trockenen neuseeländisch-britischen Humor viel Spannung aus der Situation. In der Pressekonferenz belustigte er Offizielle und Medienvertreter: Er sei "entsetzt" gewesen, weil die Bank herausgenommen worden ist. "Ich wäre das so gerne gesprungen. Es ist immer einfacher, ein schwieriges Hindernis zu springen, als an ihm vorbeizureiten." Ingrid Klimke durfte 10 a/b noch springen und assistierte: "Das war Klasse, nur fliegen ist schöner."

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