Buschreiter.de – aktuell: CIC** Aachen

Woodsides Ashbys Comeback

"Mann, das waren drei tolle Tage", sprudelte es aus Bettina Hoy hervor. Überlegen gewann die Favoritin den CIC**-Vielseitigkeitswettbewerb am Wochenende in Aachen mit Woodsides Ashby – um gleich danach den Blick auf die Pferdesport-WM im nächsten Jahr und die Zeit danach zu richten. Im Interview kündigte die Top-Amazone an, dass sie einen Start bei den Weltreiterspielen mit Woodsides Ashby anstrebt. Von Ringwood Cockatoo war in dem Interview nicht mehr die Rede, nachdem der irische Schimmelwallach bei der EM in Blenheim nunmehr zum zweiten Mal ausgerechnet bei einem internationalen Championat an einem Hindernis die Notbremse gezogen hatte (Fotos Julia Rau und Veranstalter).

"Die WM in Aachen wird toll werden, die Organisatoren haben gezeigt, dass sie auch eine Vielseitigkeits-Veranstaltung prima hinbekommen", so Hoy. Ein ganz großes Dankeschön richtete die Siegerin an die Landwirte, die für die Veranstaltung ihr Gelände zur Verfügung gestellt hatten. Nicht zum letzten Mal, wie Bettina Hoy hofft: "Klar, bei der WM werden wir ohnehin hier sein. Aber wir hoffen alle fest, dass wir ganz hierbleiben dürfen. Die Vielseitigkeit als CHIO-Disziplin, das wär doch was."

Ein Comeback feierte Bettina Hoys Jerez-Pferd Woddsides Ashby: Der 13-jährige Schimmel lieferte wie gewohnt die beste Dressur (34.2) ab und konnte sich bequem im Cross einen Zeitfehler leisten, ohne den CIC**-Sieg zu gefährden. Zwei Teppchen-Plätze erkämpfte Dirk Schrade mit Gadget de la Cere (2.) und Huskey (3.) jeweils mit dem Dressurergebnis. EM-Bronzemedaillengewinnerin Ingrid Klimke ritt FRH Butts Abraxxas auf den 4. Platz. Andrew Hoy (mit Yeomans Point) und Peter Thomsen (mit Lost of Words) meisterten ungewollt ein seltenes Kunststück: Sie teilten sich den Platz 5, weil sie nach dem identischen Dressurergebnis von 51.6 auch noch im Cross exakt gleich schnell gewesen waren (6.54) und im Parcours fehlerfrei geblieben waren. Nach dem Patzer vom Weltcup-Finale in Malmö hatte Simone Deitermann auch im Aachener Cross einen Steher von Flambeau H zu beklagen. Allerdings befand sich die Amazone im Dunstkreis der Soers in guter Gesellschaft: 37 Paare des hochkarätigen Feldes waren am Ende in der Wertung – wobei nicht weniger als 17 der internationalen Top-Reiter mindestens eine Verweigerung hinnehmen mussten. Dies stellt unter dem Strich im Vergleich mit anderen Zwei-Sterne-Prüfungen kein befriedigendes Ergebnis dar.
Dennoch waren die Deutschen begeistert von der Geländestrecke: "Der Boden ist super, trotz des Regens der vergangenen Tage überhaupt nicht tief." Alle Hindernisse liegen nah beieinander und sind gut mit kurzen Fußmärschen zu erreichen. Zudem ist das leicht hügelige Gelände optimal für die Besucher, die viele Hindernisse gleichzeitig einsehen können. "Exzellent" fand dies der britische Sportgerichts-Olympiasieger und neue Mannschafts-Europameister Leslie Law. Ein großes Lob von Frank Kemperman, Geschäftsführer des Aachen-Laurensberger Rennvereins, und der Sportler ging an Parcoursbauer Rüdiger Schwarz, der eine anspruchsvolle, aber auch abwechslungsreiche Strecke konzipiert hat. Zudem war der knapp vier Kilometer lange Kurs durch die Aachener Soers extrem zuschauerfreundlich und wurde von den rund 4500 Besuchern entsprechend begeistert aufgenommen, heißt es in einer Pressemitteilung des Veranstalters.
Der so Gelobte freut sich natürlich. "Das war eine runde Sache", so Schwarz, "auch wenn wir natürlich noch einige Kleinigkeiten verbessern müssen." Dazu ist noch ein wenig Zeit: Die Weltmeisterschaften in sieben Pferdesportdisziplinen beginnen am 20. August 2006. Bei zufriedenen Sportlern und Zuschauern gibt`s auch für die Organisatoren nichts zu meckern. "Für einen Test", so Friedrich Otto-Erley, FN-Disziplinen-Manager Vieseitigkeit, "war es schon fast zu gut." Alles habe zu 100 Prozent geklappt, es habe keinerlei Pannen gegeben. "Wir erwarten, dass die Vielseitigkeit im kommenden Jahr ein Höhepunkt der Weltmeisterschaften werden wird."

Hier der Wortlaut eines Interviews, das der Veranstalter mit der nachmaligen Siegerin Bettina Hoy nach der ersten Teildisziplin geführt hat:

Frage: Sie führen nach der Dressur. Also läuft alles nach Plan?

Bettina Hoy: Ja, natürlich. Mit dem Start des Testevents heute bin ich schon sehr zufrieden. Und wir sind alle sehr froh, in Aachen zu sein. Es gibt hier große Anlagen, auf denen man sich toll auf die Wettbewerbe vorbereiten kann.

Frage: Morgen geht es ins Gelände. Welchen Eindruck haben Sie von der Strecke, die Rüdiger Schwarz entworfen hat?

Hoy: Wie man es von ihm erwarten konnte, ist es ein technisch anspruchsvoller Kurs geworden. Mit einigen schmalen und schwierigen Sprüngen und zwischendurch auch der Möglichkeit, schneller zu galoppieren. Die Strecke ist sehr abwechslungsreich - und genau das sollte sie ja auch sein.

Frage: Zwar handelt es sich an diesem Wochenende um einen Test für die Weltmeisterschaften, aber 2006 wird die Strecke ganz anderes aussehen. Welche Bedeutung hat die Veranstaltung also für Sie?

Hoy: Natürlich werden 2006 die Hindernisse anders gesetzt und der Kurs länger sein. Aber dennoch vermittelt es einem Reiter eine gewisse Sicherheit, schon einmal auf dem Gelände geritten zu sein. Man bekommt ein Gefühl die Bodenbeschaffenheit oder sieht, wie hügelig es vor Ort ist. Egal, auf welchem Niveau ich eine Strecke reite, einen 2-Sterne-CIC wie am Samstag oder im nächsten Jahr die WM: Wichtig ist, ein "Wohlgefühl" für das Gelände zu bekommen.

Frage: Gilt das auch für das Pferd? Oder kann es sich in einem Jahr kaum noch an das Turniergelände erinnern?

Hoy: Ich glaube schon, dass es ein Vorteil sein kann, wenn das Pferd einen Ort mit guten Gefühlen verbindet. In erster Linie aber hilft ein solcher Test dem Reiter. Ich sehe, wie das Pferd auf dem Platz oder der Geländestrecke reagiert. Deswegen bin ich auch mit Woodsides Ashby nach Aachen gekommen, weil er wohl im nächsten Jahr bei der WM dabei sein dürfte.

Frage: Am Sonntag nach der Dressur, dem Geländeritt und dem Springen ganz vorn zu liegen, spielt also eine eher untergeordnete Rolle?

Hoy: Wenn ich irgendwo starte und mein Pferd in der Lage ist zu gewinnen, dann will ich natürlich auch gewinnen.

Frage: Über ein Jahr ist nach den Olympischen Spielen von Athen vergangen. Damals hatte man Ihnen und der Mannschaft jeweils die Goldmedaille aberkannt, weil Sie beim Springen versehentlich zweimal über die Startlinie geritten waren. Gibt es bei der WM die sportliche Revanche?

Hoy: Die Weltmeisterschaft ist seit den Olympischen Spielen unser großes Ziel. Die Europameisterschaft vergangene Woche im englischen Blenheim, bei der wir immerhin Bronze erkämpft haben, war nur ein Wegstein dorthin. In Aachen wollen wir 2006 die sportliche Antwort geben. Das wird das ganz große Highlight, und unser Team freut sich riesig darauf.

Frage: Für die Vielseitigkeitsreiter ist es hier am Wochenende die Premiere. Haben Sie deswegen beim Weltfest des Pferdesports, dem CHIO 2005, vor wenigen Wochen schon den Fernseher eingeschaltet, um von der Atmosphäre in Aachen etwas mitzubekommen?

Hoy: Leider ist es in unserem Haus in England, wo mein Mann Andrew und ich leben, schwierig, deutsches Fernsehen zu empfangen. Aber zum Glück haben wir in unserem Bus eine Satelliten-Anlage, die auf Astra eingestellt ist. Und so konnte ich wenigstens den Siegesritt von Meredith Michaels-Beerbaum beim Preis der AachenMünchener sehen. Und für uns Vielseitigkeitsreiter wäre es toll, wenn wir auch nach den Weltmeisterschaften nach Aachen zurückkommen könnten, wenn es nicht bei einer einmaligen Angelegenheit bliebe. Das wäre für die Zukunft unseres Sports sehr wichtig. In Deutschland gibt es leider nicht allzu viele gute Prüfungen in der Vielseitigkeit und Aachen wäre ein idealer Ort.

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